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Die sechziger Jahre

Von Donald Schieffers

Quelle: 75 Jahre Alemannia Aachen


Bundesliga ohne Alemannia - 1963

Wenige Tage nach dem Spiel gegen den 1.FC Köln kam der größte Schock der bisherigen Vereinsgeschichte in Form eines Schriftstückes durch den DFB auf den Tisch geflattert: Die Bundesliga startet ohne Alemannia. Aachen stand Kopf. Sollte man den größten Verein NRWs, der 15 Jahre der Oberliga-West angehörte, einmal Vizemeister, einmal Vize-Pokalsieger wurde, übersehen ? Präsident Dr. Heusch in seiner ersten Erregung: "Das ist ein Tiefschlag des DFB!" Und Tiefschläge, die liegen bekanntlich unter der Gürtellinie - der DFB hatte sich nach Ansicht des Präsidiums selbst disqualifiziert. Vom Anfang an hatten die Grenzstädter für die Bundesliga gekämpft. Jetzt wurden sie zurückgestoßen. 16 Vereine waren auserkoren worden, in der höchsten Spielklasse zum Teil ohne sportliche Qualifikation Platz zu nehmen. Neun Vereine wurden einfach "von oben" in die neue Klasse dirigiert. Eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit" sahen die Betroffenen, ohne jedoch das Gesicht durch unüberlegte Unfairneß zu verlieren. Alemannia bewies kühlen Kopf, als man beim DFB beantragte, das ordentliche Gericht anzurufen. Dem Antrag wurde stattgegeben. Der Weg zum Gericht war frei, und Dr. Heusch wagte den Schritt:"Wir haben leider keine andere Wahl!" Der genaue Wortlaut des DFB Telegrammes am 6. Mai 1963:

Hamburg, der Bundesligaausschuß konnte Ihre Bewerbung zur Aufnahme in die Bundesliga nicht berücksichtigen - schriftliche Begründung folgt - Deutscher Fußball Bund Passlack

Bild 1

Es war haarsträubend, denn just an jenem 6.Mai heftete Vizepräsident Jakob Baurmann dem Ehrenpräsidenten und Gründer der Alemannia Josef Emunds die Goldene Verdienstnadel mit Brillianten für außerordentliche Verdienste für den deutschen Sport an die Brust. Der DFB schien seine Entscheidung schon länger vorbereitet zu haben, denn ein DFB-Vertreter, der eingeladen war, erschien nicht zu dem Festakt. Ausgerechnet an diesem Abend wurde das Bewußte Telegramm zugestellt. Ein Funktionär meinte: "Das ist ja unglaublich."

Der Weg zum ordentlichen Gericht, das Dr. Heusch angerufen hatte, war lang. Am 13.November endlich verkündete die 3. Zivilkammer des Landgerichtes Frankfurt nach mündlicher Verhandlung das Urteil im Rechtsstreit Alemannia gegen den Deutschen Fußball Bund.

"Der Kläger wird mit der Klage abgewiesen. Der Kläger trägt die kosten des Rechtsstreites. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 800,-DM vollstreckbar."

Wie dieses Urteil in der Öffentlichkeit aufgenommen wurde, zeigen die Publikationen der Presse. Interessant war die Sitzung schon gewesen, denn sogar das Deutsche Fernsehen war live mit dabei. Richard Kirn schrieb in der Kölnischen Rundschau: "An das Entscheidende, um das es in diesem Fall ging, ist das Gericht nicht herangekommen. Schon als der Richter fragte: Wie würde sich das die Bundesliga auswirken, wenn Alemannia mit seiner Klage durchkäme...?, schon in diesem Augenblick war mir klar, daß der Prozeß verloren war." Und Richard Kirn war objektiv.

Die Wut, die dieses Urteil auch bei den Spielern hervorrief, fand in den Ergebnissen der ersten Regionalliga West ihren Niederschlag.

Anmerkung von mir: Eins ist klar, am DFB hat sich bis heute nichts geändert - Fußballmafia ....

Bild 1:Ehrung für den Präsidenten: Leo Führen überreicht seinem verdienstvollen Vorgänger Dr. Gerd Heusch die Ehrennadel. (Foto: Rade)


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