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Spiele der Alemannia

Die wichtigsten und Interessantesten  Spiele der Alemannia


Aachener-Volkszeitung vom 24. Mai 1965

Nur die Sonne lachte beim Pokal-Endspiel

60000 enttäuschte Zuschauer beim 2 : 0 Sieg der Dortmunder

Hannover. - Erstmals sollte das deutsche Fußball-Pokal-Endspiel mit großem äußerem Glanz gefeiert werden. Und was wurde am Samstag aus dem 22. Finale mit der Ermittlung des 16. Pokalsiegers schließlich: eine Brüskierung des DFB in Anwesenheit des höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik, des Bundespräsidenten Heinrich Lübke.

Sicherlich war die tiefe Enttäuschung der 60000 Zuschauer im Nidersachsen-Stadion in Hannover über den Endspielverlauf zu verstehen und ihre Pfiffe, vor allem während des Verlaufs der zweiten Halbzeit , nicht anders zu werten als bei jedem anderen Spiel: als Zeichen großer Unzufriedenheit über etwas, wofür man nicht gerade wenig Geld gezahlt hatte. Doch die alles übertönenden Pfui Rufe beim Hipp-Hipp-Hurra des DFB-Präsidenten Dr. Gösmann auf den neuen Pokalmeister Borussia Dortmund kamen aus der untersten Schublade ungehörigen Benehmens. Mit diesem Schlußstrich unter ein verpaßtes Fussballfest war auch der letzte Schimmer eines Glanzes dahin, dem man dieser Auseinandersetzung zu geben gehofft hatte. Das konnte auch nicht durch strahlenden Sonnenschein bei einer kräftigen Ost-Brise wettgemacht werden. Beide genossen an diesem Nachmittag lediglich die Segler auf dem in unmittelbarer Nähe des Niedersachsen-Stadions gelegten Masch-Sees.

Und die Aufstiegsrunde ?

Der 2:0 (2:0) Sieg der Dortmunder Borussen war ohne jeden Zweifel verdient und bestätigte die Favoritenrolle des Bundesligisten. Vom Resultat her ist auch den Aachernern in keiner Weise ein Vorwurf zumachen, hatten sich doch die meisten der rund fünf- bis sechstausend Schlachtenbummler aus dem Grenzland schon vor Beginn des Spieles gesagt, daß eine knappe Niederlage in Hannover durchaus als ein Erfolg zu betrachten sei. Was sie jedoch nicht verstehen konnten war die Tatsache, daß ihre Alemannia, von wenigen Ausnahmen Abgesehen, im Durchschnitt keine bessere Leistung brachte, als bei den letzten Regionalliga-Spielen.

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Der Angriff wurde erneut zum großen Versager. Und was dabei die Sache in Hannover noch verschlimmerte: die Borussen taten mit fortschreitender Spielzeit nicht mehr, als zum Halten des schnell erreichten 2:0 Vorsprungs nötig war. Sie wurden einfach nicht gezwungen, mehr von ihrem Können zu zeigen. Und die typische Profi-Reaktion sprach aus Dortmunds Trainer Hermann Eppenhoff, als er in der Kabine meinte "Was wollen Sie denn, wir haben schließlich den Pokal gewonnen, Tore entscheiden, und (zur Entschuldigung, die Red.) denken Sie bitte an die schweren Wochen, die hinter uns liegen."Nicht gerade zustatten kam den Alemannen bei der allgemeinen Beurteilung auch die nach wie vor außerhalb der Regionalliga West über sie vorherrschende Meinung über bundesligareife Qualitäten, was die Kritik an ihr während und nach dem Spiel natürlich noch schärfer werden ließ. Man hatte dabei nur vergessen, sich daran zu erinnern, daß die Höhepunkte der Saison (gegen Hannover und gegen Schalke 04) auf dem Tivoli stattfanden. "Einheimische" konnten also gar nicht enttäuscht sein. Wenn sie es dennoch waren, dann deswegen, weil die insgeheim erhoffte angenehme Überraschung ebenfalls ausblieb. Wer als Augenzeuge im Stadion selbst oder am Bildschirm miterlebte, wie die Alemannen-Fünferreihe wieder einmal überhaupt keinen Zusammenhang fand, die diesmal in rot Weiß spielenden "Schwarz-Gelben" (Dortmund in schwarz weiß) die Zeichen der Zeit nicht erkannten und nicht zumindest den Versuch machten, wie es Dortmund oft so beängstigend gefährlich in der ersten Halbzeit vor exerzierte, mit plötzlichen Steilpässen zu operieren, sondern im alten Trott den Ball zehnmal quer spielten, und dann in der inzwischen formierten Borussen-Deckung hängenzubleiben, der muß sich fragen, wie in einer solchen Situation die Aufstiegsrunde bestanden werden soll, die für die Alemannia bekanntlich am kommenden Samstag auf dem Tivoli mit der Begegnung gegen den FC Saarbrücken beginnt.

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In der Haut von Oswald Pfau (damaliger Alemannia Tranier)

möchte sicherlich zur Zeit keiner stecken. Einer der die Fäden vorne spinnt, ist einfach nicht da. Da zudem bekannt ist, daß Josef Martinelli der Mittelstürmerposten inzwischen zu einem Alpdruck geworden ist, einem Spieler der früher keinen Ball ruhig liegen lassen konnte, sollte man dann nicht die Konsequenzen ziehen und ihn wieder in die Außenläuferposition zurückziehen?Hier wäre er bestimmt ein Stürmer mit Leib und Seele, wobei es unseres Erachtens gleichgültig sein dürfte, wer im Sturmzentrum steht. Zumindest ist derjenige, derdann dort eingesetzt wird, mit mehr Einsatz und Eifer dabei als Martinelli. Und Hermanndung dann als Stopper ? Jedenfalls hat Erwin Hermandung am Samstag nach kurzer Anlaufzeit die Dortmunder Sturmspitze Timo Konietzka großartig im Griff gehabt. Ihm und Christian Breuer gebührt in erster Linie das Lob, dafür gesorgt zu haben, daß die Dortmunder Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Im übrigen war die gesamte Alemannen Abwehr wie immer zuverlässig, wenn auch Torhüter Gerd Prokop trotz mancher Glanzparade einige Bälle faustete, die er im gewohnten Regionalliga-Rahmen mit Sicherheit sicher gefangen hätte.

Dennoch unterlief ausgerechnet der Abwehr, vom Ergebnis her gesehen, der entscheidende Fehler. Der Versuch die erste Viertelstunde ohne Gegentreffer zu überstehen, scheiterte, weiß sie sich zum wiederholten Male dazu verleiten ließ, auf den Abseitspfiff zu warten, anstatt dem davon stürmenden Gegner nachzusetzen.

Oswald Pfau (Trainer der Alemannnia) nach dem Spiel: "Unser Ziel ist es jetzt, in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga bessere Leistungen zu bringen als heute in Hannover. Die Nervenbelastung war für die Aachener Spieler zu groß. Hinzu kam der schnelle Rückstand, der zudem noch zu vermeiden war. Gerade das wollten wir verhindern. Aber auch Borussia Dortmund hat mich enttäuscht."

Anmerkung von mir: Alemannia gewann das Spiel gegen Saarbrücken mit 2:1 doch der Aufstieg in die Bundesliga wurde nicht erreicht (siehe Spiele der Alemannia 1949 bis 1999).

Bild 1: 2 - 0 triumphierte Borussia Dortmund im Pokalfinale 1965. Jupp Thelen versuchte Lothar Emmerich (rechts) zu stoppen. Herbert Krisp und Aki Schmidt beobachteten die Szene.

Bild 2: Auch nach dem vorlorenem Pokalendspiel herrschte große Begeisterung, als die Mannschaft am Elisenbrunnen offiziell empfangen wurde.

Fotos: Ole Alemannia von Franz Joseph/Walter Römer Alano Verlag.


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