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Spiele der Alemannia

Die wichtigsten und Interessantesten  Spiele der Alemannia


Werner Fuchs: Enttäuscht und trotzdem niedergeschlagen, aber stolz

"So grausam kann Fußball sein" - Ovationen für Alemannia trotz Niederlage

Aachen. - "So grausam kann Fußball sein". Auch zwölf Stunden nach dem Pokal-K.o. seiner Alemannia gegen den Erstligisten Schalke 04 rang Werner Fuchs nach Fassung. Ich bin wie gerädert, habe keine Ruhe gefunden".

Fast eine ganze Stunde litten 25000 Zuschauer am Mittwoch mit der Alemannia. Fast eine Stunde dauerte es bis Gernot Ruof in der 91. Minute die Führung der Schalker (Hartmann, 35. Minute) ausgleichen konnte. Fast eine Stunde war der Tivoli die Hölle.

Angriff auf Angriff rollte lawinenartig auf das von Walter Junghans sicher und souverän gehütete Tor. Getragen und getrieben von der großartigen Kulisse wuchsen die Aachener kräftemäßig über sich hinaus, spielten über ihre Verhältnisse. Doch fast eine Stunde lang wollte der Ball nicht ins Schalker Tor. Ob Junghans Arme oder Schippers Fuß, Habigs Zögern oder Gries Nervosität, eine Stunde lang sollte es einfach nicht sein. Und die Fans brüllten sich die Kehle aus dem Hals.

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Aachener Unvermögen und Schalker Glück schienen die "Knappen" schon noch 90 Minuten in das Viertelfinale des DFB-Pokals einziehen zu lassen, als die Minute des Gernot Ruof schlug. Flanke Habig, Vorlage Gries und der Blondschopf traf mit dem linkem Fuß ins lange Eck.

1:1! Der Tivoli tobt! Fuchs`cher Freudentanz! Riesenerleichterung! Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen grölen, schreien, jubeln... So ein Tag... Doch dieses Tor, das den Tivoli beben ließ, nahm die Spannung: allen. Die Spieler spürten wieder ihre Beine und die Fans fragten sich: Kann es überhaupt noch besser, spannender, dramatischer werden? Es ist geschafft! Dieses Gefühl, bei den Spielern und den 25000 Zuschauern, wirkte sich fatal aus. Ralf Regenbogen, eben erst eingewechselt, köpfte die Schalker in der 116. Minute doch noch ins Viertelfinale. Aus und vorbei! mit Tränen in den Augen schlichen sich die Alemannen in die Kabine. Begleitet von Ovationen des Publikums, die vor der großartigen Leistung der Alemannia den Hut zogen. Und das dachten, was Werner Fuchs aussprach: "Die zweite Halbzeit war einmalig, großartig. Ich bin stolz auf die Jungs." Trotz aller Enttäuschung.

"Ich bin froh, daß wir morgen nicht spielen müssen. Ich brauche Zeit, die Mannschaft wieder aufzurichten, sie ist am Boden zerstört", beschreibt Werner Fuchs seine Aufgabe bis zum Mittwoch-Spiel in Freiburg.

Anmerkung: Das Spiel gegen Freiburg verlor die Alemannia mit 4:1

Fern solcher Sorgen träumte Schalkes Trainer Diethelm Ferner von Bayern München als nächsten Gegner. Und so nahmen die Schalker alles ziemlich gelassen. Schatzschneiders Verletzung, Thons Prellung (er kann aber gegen die CSSR spielen) und die vielen Pfiffe für ihr destruktives Spiel.

von Heribert Förster

Dietz: "Diese Alemannia gehört in die Bundesliga"

Lob von allen Seiten - Werner Fuchs den Tränen nah

Aachen. - Himmelhoch jauchzend: Als Gernot Ruof den buchstäblich letzten Angriff zum Ausgleich nutzt, bebt der Tivoli. Zu Tode betrübt: Nach der Verlängerung liegen elf abgekämpfte Spieler im schwarz gelben Trikot fassungslos auf dem Rasen. Trainer Werner Fuchs hat Mühe, in der Pressekonferenz seine Tränen zu unterdrücken, "Ich bin niedergeschlagen und enttäuscht" Die Spieler kommen mit rotunterlaufenen Augen aus der Kabine, erst Jürgen Willkomm, dann Eugen Hach, Theo Gries schaut regungslos auf den Boden.

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Komplimente gab´s reichlich. Aber für Schönspielerei kann man sich nichts kaufen. "Wenn die Schalker wenigstens besser gewesen wären, könnten wir sagen sch.. was drauf", meint der noch gefaßte Nobert Buschlinger. Daß das Spiel in der zweiten Halbzeit verloren wurde, darüber herrschte Einigkeit. Eugen Hach nach seiner Riesenleistung. "Die Chancenauswertung bleibt unser Problem. Und so lange das besteht, sind wir auch noch nicht reif für die Bundesliga." Klar, daß der Pokal-K.o. Spurren im seelischen Befinden hinterläßt, auch bei hartgesottenen Profis. Aber der Blick nach vorne galt schon dem SC Freiburg. "Da müssen und da werden wir was holen", beteuerte Friedhelm Frenken. Und schließlich, so Kapitän Buschlinger, steige man lieber auf, als den Pokal zu holen. Schalke hat den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen. Ein sichtlich erleichterter Manager Assauer: "Was die Alemannia in der zweiten Halbzeit gespielt hat, war unglaublich." Bernard Dietz: "Diese Alemannia gehört in die Bundesliga. Ich wünsche ihr den Aufstieg." Über das Publikum staunte Olaf Thon: "Solche Fans gibt es in Deutschland nirgendwo. Die haben ihre Mannschaft trotz der Niederlage euphorisch gefeiert, als ob sie gerade Deutscher Meister geworden wäre".

von Klaus Schmidt

Bild1: Trost von Valentin: Ersatztorhüter Herr mußte nach dem Abpfiff Theo Gries aufmuntern. Foto: Lauter

 

Aachener Volkszeitung vom 15. November 1985


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