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Spiele der Alemannia

Die wichtigsten und Interessantesten  Spiele der Alemannia


Verloren - aber gefeiert wie die Helden!

Alemannia unterlag Mönchengladbach 0:2, aber ein tolles Spiel die Zuschauer waren begeistert

Aachen. - die vorweihnachtliche Bescherung fand leider nicht statt. Das schönste Geschenk nämlich einen Sieg über Borussia Mönchengladbach, konnten sich die Alemannia-Fußballer nicht unter den Weihnachtsbaum legen. Den Gabentisch fegten die Borussen leer, doch auch über eine magere Gabe konnten sich Aachens Profi-Fußballer herzlich freuen. Sie drehten eine Ehrenrunde durch das Stadion und ließen sich den den Beifallsorkan des Publikums wie eine erfrischende Dusche über den Rücken laufen. Ja, in welcher Stadt gibt´s das, dass eine Mannschaft frenetisch gefeiert wird, obwohl sie soeben verloren hat ? In welcher Stadt schleppen die Fans Konfetti und Papierschnipsel gleich in Zentnergewichten auf die Tribüne? Das gibt´s - darin waren sich landauf, landab die Berichterstatter in Presse, Funk und Fernsehen einig - nur in Aachen!

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Alemannia bewies am Samstag erneut, dass sie im Konzert der Großen keineswegs die kleinste Geigen spielen. Denn selbst notorische Anti-Alemannen, die sonst den Tivoli meiden wie der Teufel das Weihwasser, geben zu, daß ein Klassenunterschied kaum festzustellen war. Natürlich spielten die Borussia abgebrühter, natürlich war sie personell besser besetzt, natürlich war sie pfiffiger im Ausnutzen der Torchancen - aber was Kampfgeist, was läuferische Qualitäten und was Kondition angeht, da war Alemannia durchaus ebenbürtig.

Ganze drei Tormöglichkeiten hatten die Mönchengladbacher: Ein Pfostenschuß von Uwe Rahn und zwei Treffer von Hans-Jörg Criens waren die Ausbeute. Da mußte auch der fanatischste Alemannen-Anhänger neidlos anerkennen, dass dies eine wahre Klasse-Mannschaft auszeichnet. Aus einem Minimum an Chancen ein Maximum an Wirkung erzielen! Genau dort haperte es (noch) bei den Aachenern. Getreu dem deutschen Merksatz "Blinder Eifer schadet nur" verlief die Partie. Jeder war von einer Riesenportion Ehrgeiz angestachelt, jeder wollte es ganz besonders gut und ganz besonders spektakulär machen. Mangelnde Technik und fehlende Routine wurde durch Rackern und Rennen wettgemacht. Wie wichtig internationale Erfahrung sein kann, war mehrfach am Beispiel des Gladbacher Liberos Winnie Hannes zu erkennen. Er stand immer so günstig, als ob er die Züge der Aachener vorausgeahnt hätte. Hannes lief höchstens halb soviel wie sein Kollege Norbert Buschlinger auf der anderen Seite, der zwar auch fast fehlerfrei spielte, sich aber schier die Lunge aus dem Hals rannte.

In den Angriffsreihen sah es genauso aus. Gradlinige Kombinationen der Gladbacher hier, überhastete Aktionen der Aachener dort. Bekanntlich zeigen die Alemannen "Fußball mit Herz", aber die Borussia bewies, dass "Fußball mit Köpfchen" auch nicht schlecht ist. Die Frage ist nur, was den Zuschauern für ihr Eintrittsgeld mehr bringt. Am Samstag waren die Sympathie-Zuweisungen eindeutig verteilt.

Nicht nur aus lokalpatriotischen Gesichtspunkten. Den Fans machte mehr Spaß, für ihre nicht eben billigen Eintrittskarte einen spannenden Fußballkrimi zu sehen, als sich ein Kunstwerk nach Art der "Neuen Welle" anzuschauen.

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Dass es außer den schlimmen Vorfällen auf dem "Aachener Wall" - siehe Bericht auf dieser Seite - keinerlei Zwischenfälle im restlos ausverkauften Stadion gab, darf als sehr erfreulich bezeichnet werden. Alemannias Geschäftsführer Bert Schütt war rundum zufrieden. Mehr noch: Er spendete dem oftmals arg gescholtenen Fan-Club ein großes Lob, weil es auf dem völlig überfüllten "Würselener Wall" äußerst gesittet zuging. Schütt wörtlich: "Hut ab! Die Jungens haben sich vorbildlich benommen!" Dass sich einige Mitglieder des organisierten Fan-Clubs eine halbe Stunde nach dem Spielschluß als "Rächer der Enterbten" verstanden, entsprach offenbar dem Verständnis der meisten Aachener Zuschauer und auch der Polizei. Bei kleineren Rangeleien in der Innenstadt verabreichten die Aachener den Grobianen aus Mönchengladbach ein paar Ohrfeigen, womit sie den Grundsatz befolgten, dass kleine Sünden sofort bestraft werden. Die Polizei sah geflissentlich weg und überließ das Jungvolk sich selber. Zu größeren Kontroversen kam es aber nicht, weil die Gladbacher in Hasenfuß Manier fluchtartig den Rückzug aus der Stadt antraten. So durften sich die Aachener Fans wenigstens über einen kleinen Sieg auf Nebenschauplätzen freuen.

Aachener Nachrichten vom ? . Von Wolfgang Reuter

 

Gladbachs Fans wie Vandalen

Polizisten verletzt

Aachen. - Die Fans von Borussia Mönchengladbach gelten nach einer Studie über das Verhalten deutscher Fussballanhänger eigentlich als "relativ ungefährlich". Das war zumindest bis Samstag nachmittag so. Bilder, die man sonst nur von Chaoten aus Gelsenkirchen, Dortmund oder Oberhausen kennt, sie wurden nun auch von den Schwarz-Grün-Weiß-Enthusiasten in den dunkelsten Farben geliefert. Die schreckliche Bilanz: 22 Festnahmen, zehn verletzte Polizeibeamte, acht abgesägte Wellenbrecher. In der Aachener Innenstadt wurden zudem Schaufensterscheiben zertrümmert, im Stadion ein ganzer Zaun niedergewalzt.

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Bereits beim Empfang am Bahnhof der 600 bis 700 Schlachtenbummler aus dem "harten Kern" nahm die Polizei zwei Volltrunkene in Gewahrsam. Einige Fans zogen vor dem Spiel in die Stadt und hinterließen mit gewalttätiger Handschrift ihre Spuren in den weihnachtlichen Auslagen eines Geschäftes.

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Auf den Rängen des Tivolis blieb zunächst alles ruhig. Bis zur 35. Minute. Da standen urplötzlich am Aachener Wall Papierknäuel in hellen Flammen. Schiedsrichter Roth mußte das Spiel zum ersten Mal unterbrechen. Fünf Minuten später flog eine Rauchbombe auf den Rasen, Roth griff erneut ein.

Die Polizei hatte sich zwischenzeitlich der Gladbacher Rowdies angenommen und war mit bis zu 90 Beamten (von insgesamt 170) im Einsatz. Trotzdem konnte das Unheil nicht verhindert werden. Fachmännisches Werkzeug in Form von Eisensägen diente den sogenannten Fans als Zerstörungsinstrument der Wellenbrecher. Nach Rahns Pfostenschuß in der zweiten Halbzeit stürzten die Zuschauer hinter Valentin Herrs Tor wie eine Lawine Richtung Zaun. Dabei wurden nach unbestätigten Angaben zwei Gladbacher Opfer ihrer Sägerei, aber leider auch zehn Polizisten verletzt. Fünf Beamte mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, vier ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Beamter liegt heute noch mit einer Gehirnerschütterung und einer Fußverletzung dort.

Hauptkommissar Wolfgang Siebert, Einsatzleiter bei Spielen der Alemannia: "Insgesamt haben wir 22 Personen festgenommen. Gegen einige wird Strafanzeige oder Anzeige wegen Verstoßes gegen die Stadionordnung erstattet." Siebert wies ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei diesen Aktionen ausschließlich um Gladbacher Fans handelte. Die Alemannia-Anhänger traten nicht in Erscheinung.

Bleibt die Frage, was die Spieler der Borussia wohl veranlaßte, sich bei ihrem offensichtlich geistig umnachteten Anhang für die Unterstützung zu bedanken.

Aachener Nachrichten vom ? . Von Klaus Schmidt

Die Mannschaften

Aachen: Herr- Buschlinger - Frenken (83. Poque), Montanes - Hach, Olck, Brandts, Thomas, Willkomm (66.Habig) - Ruof, Delzepich

Mönchengladbach: Sude - Bruns - Hannes, Borowka - Krauss, Helovsen, Rahn, Lienen, Frontzeck - Mill, Criens (89. Herbst)

Schiedsrichter: Roth Salzgitter

Tore: 0:1 Criens(66.), 0:2 Criens(76.)

Zuschauer: 26345 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Ruof - Krauss (2), Frontzeck

Anmerkung von mir: Vielen Dank an Johannes Krings, für diesen Zeitungsbericht.

 


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