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Jupp Martinelli

Von Wolfgang Reuter

Quelle: 75 Jahre Alemannia Aachen


" Für mich gab`s nur Alemannia!"

Ein knallharter Profi ist er nie gewesen. Jupp Martinelli trug 16 Jahre lang das Alemannia-Trikot, erhielt Geld für seine Betätigung, aber sein Selbstverständnis glich eher dem eines Amateurs. Er hat nie um einen Vertrag gepokert, hat nie gefeilscht wie ein persischer Teppichhändler. "Ich habe den Vertrag so genommen, wie er mir angeboten wurde", erinnerte sich Jupp Martinelli. Mit 15 Jahren - das war 1951 - trat der damalige Schüler des Kaiser-Karl-Gymnasiumsder Alemannia bei, und bis 1970 geriet diese Mitgliedschaft zur totalen Identifikation: "Für mich gab es nur Alemannia, Sonst überhaupt nichts. Ich Habe nie daran gedacht, irgendwo anders hinzugehen."

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Ein Bruch der engen Beziehung Martinelli - Alemannia widerfuhr dem gebürtigen Kohlscheider beim Bundesliga-Abstieg 1970. bei den anstehenden Vertragsverhandlungen sagte der Präsident Leo Führen, daß man an einer radikalen Verjüngung der Mannschaft arbeite und da? deshalb für Jupp Martinelli kein Platz mehr sei. Jupp akzeptierte diese Entscheidung, als er aber am selben Tag erfuhr, da? Alemannia einen nur unwesentlich jüngeren Spieler für seinen Posten zurückgeholt hatte, da ärgerte er sich zum erstenmal in seiner langen Laufbahn von ganzem Herzen. Wenig später gab es noch unschöne Szenen bei der endgültigen Verabschiedung vom Tivoli, und Jupp Martinelli bewies Konsequenz, indem er kurzerhand aus dem Verein austrat. Das schmerzte ihn Heftig, obwohl er es nirgendwo zugab. 5 Jahre danach, merkte man noch immer, wie die Verbundenheit zur Alemannia nachwirkt.

Zu seinen aktiven Zeiten war Jupp Martinelli eine feste legendäre Gestalt im schwarz-gelben Trikot. Etwa 800 Mal spielte er für seinen Verein und wurde dabei landauf, landab zur Symbolfigur für Alemannia. Der Name Martinelli war in den deutschen Gazetten ein Synonym für den Oberligisten Alemannia-Aachen und vorbildlicher Kämpfer wurde er zum Vorbild für die Jugend. Die Dötzchen in den Jugendmannschaften wollten sein wie Martinelli. Es gab nie Skandale oder Schlagzeilen. Selbst bittere Niederlagen trug er mit Fassung. Nach eigener Aussage ist er ein Verfechter im alten Sinne: Alle für einen, einer für alle. Von dem Show-Gebaren der reichen Bundesliga-Profis hält er überhaupt nichts. Ein schlichtes und gradliniges sportliches Leben sei wichtiger als das Ballyhoo der Superstars.

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Wer nun glaubt, der Fußballer Martinelli sei ein Mensch mit kargem Gemüt, der irrt beträchtlich. Bei der Stadtverwaltung Aachen kletterte er die Sprossen der Karriere hoch. Zuhause in Kohlscheid bei seiner Frau Erika und den Töchtern Dagmar und Claudia ist der Jupp die Bezugsperson mit Humor und Feingefühl. Das eigene Haus ist der Lohn für fast zwanzig jähriges Plagen auf dem Fußballplatz. Die Gagen waren nie berauschend, mit heutigen Summen verglichen lachhaft gering. aber es reichte durchaus, eine Familie gut zu ernähren und sich ein eigenes Haus zu bauen. Etwas für die "hohe Kante" blieb auch übrig, so daß der Familie Martinelli kaum materielle Not drohen wird. Obwohlin früher Jugend ein erfolgreicher Leichtathlet ( in der B-Jugend 6,20m imWeitsprung und mit dem DLC Aachener Zweiter bei der Fünfkampf-DM) ist Jupp Martinelli kein Freund der großen Sprünge. Bei Frau und Kindern fühlte er sich wohl. Manchmal wenn er ein bißchen melancholisch ist, zieht er sich zurück.

Dann spielt er Klavier und hängt den Träumen nach.

Nachtrag von mir: Ich habe Jupp Martinelli leider nie für die Alemannia spielen sehen (vor meiner Zeit), doch eins ist klar solche Spieler wird es in unserer heutigen Zeit, bei der Alemannia und bei anderen Mannschaften,   nicht mehr geben.

Bild1: Im Spiel bei Rot-Weiß Essen erlebte der Alemannia-Crack seine einzige Hinausstellung.März 1964              (Foto: Horstmüller)

Bild2: Ehrung für das 600. Spiel im Alemannia-Trikot. Präsident Leo Führen überreicht Jupp Martinelli einen Blumenstrauß. (Foto: Linckens)   


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