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Christian Breuer

Von Wolfgang Reuter

Quelle: 75 Jahre Alemannia Aachen


Der Libero mit dem Bums im Fuß

Immer, wenn Christian Breuer zum Freistoß anlief, dann zitterten die Torhüter. Denn der Chris, wie man ihn gerne nannte, hatte einen gewaltigen Bums in den Beinen.

Er stammte noch aus der Garde der Spieler, die angeblich die Tornetze zerfetzen konnten. Jedenfalls besaß Christian Breuer außer einem sehr athletischen Körper noch urwüchsige Kräfte, die er gekonnt in sogenannte "Granaten" umzusetzen vermochte. All dies tat er neun Jahre für Hannover 96 und ebenfalls vier Jahre für den 1. FC Köln. Insgesamt spielte Christian Breuer also 17 Jahre seines Lebens Woche für Woche für den jeweiligen Verein. Für Alemannia wäre er gerne noch ein Jahr unter Vertrag geblieben, aber ausgerechnet am 24. April - exakt am Geburtstag - flatterte ihm die Kündigung ins Haus.

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Der Vorstand war wahrscheinlich der Meinung gewesen, daß Christian jetzt so allmählich "in die Jahre" gekommen sei, und außerdem besaß man in dem Ex-Gladbacher Klaus-Dieter Sieloff einen ebenso routinierten wie cleveren Libero. Das zählte zu den dunkelsten Punkten seiner langen Karriere, meinte Christian Breuer zu den Umständen seines Abschieds. Er selber fühlte sich noch genügend fit und stellte seine Fähigkeiten als Spieler und Trainer dem Amateurverein Rhenania Würselen zur Verfügung. "Ich wäre auch als Amateur bei Alemannia geblieben", erinnert sich Christian Breuer, "aber man wollte nicht!" Er blickt zurück ganz ohne Zorn, denn er zählt zu den Leuten, die eher bedächtig und abwägend sind, als impulsiv und nachtragend. Bei Alemannia trug er insgesamt sieben Jahre lang die Armbinde des Mannschaftskapitäns. Am liebsten denkt er an die Zeiten zurück als er noch mit Branco Zebec, Alfred Glenski, Jupp Martinelli und Heiner Sell zusammen spielte. "Das waren echte Kumpels!", sinniert Christian. Aus wirtschaftlicher Sicht haben sich die vielen Profi-Jahre gelohnt. Er besitzt ein 9 Familien Haus, ein Eigenheim für sich und seine Frau Elisabeth, ein florierendes Schreibwarengeschäft auf der Jülicher Straße in Aachen. "Ich bin zwar kein Großverdiener wie Günter netzer, aber es reicht. Ich bin zufrieden."

Bevor er sich die Fußballstiefel erstmals als Spieler beim 1. FC Köln zuschnürte, absolvierte er eine Schlosserlehre. Mit erfolgreichen Abschluß, wie heute noch stolz betont.

Weil Christian Breuer sich nie mit dem Hauch und dem Gepräge des großen Stars umgeben hatte, blieb er stets der populäre und von allen geschätzte Sportler. Noch heute, nach seiner aktiven Zeit im bezahlten Fußball, bestaunen ihn die Leute, wenn er nirgendwo zu sehen ist. Man findet schnell Kontakt zu ihm, denn er ist ein Mann, der zuhören kann und sich mit jedem gerne unterhält. Mit acht Trainern hat Christian Breuer in den neun Jahren am Tivoli gearbeitet. Oswald Pfau, Willibert Werth, Hermann Lindemann, Gunther Baumann, Volker Kottmann, Barthel Thomas, Michel Pfeiffer und Horst Witzler waren die Männer, die für Erfolg oder Niederlage zuständig waren "Für mich war Oswald Pfau der beste Mann. Er hat mich übrigens auch zum damaligen Oberligisten Alemannia geholt", resümiert Christian Breuer.

Ob er sein Leben anders gestalten würde, wenn er dazu noch einmal die Möglichkeit hätte ? Nein, er würde fast alles genauso machen wie in den letzten siebzehn Jahren, als er alle Stationen eines Fußball Profis durchlief. Etwa tausend Mal trug er das Trikot. Und von der deutschen Meisterschaft bis zur schmählichen Niederlage hat er alles mitgemacht.

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Franz Joseph Küsters: Neben Martinelli war inzwischen ein weiterer Tivoli-Star geboren: Christian Breuer. Oswald Pfau holte ihn 1962 vom 1. FC Köln, wo er als "Breuer II" nicht nur im Schatten eines Hans Schäfer stand. "Chris", ein wuchtiger Aufbauspieler, Freistoß- und Elfmeterspezialist mit fehlender Grundschnelligkeit, aber dafür um so ausgeprägterem Durchsetzungsvermögen. Schon bald schwärmten die Journalisten von der besten Läuferreihe Deutschlands: Martinelli. Zebec, Breuer. Wenn Christian ausholte, gingen die Gegner in Deckung. Bei einem Spiel gegen Erkenschwick schoß er einmal - unabsichtlich natürlich - innerhalb von zwei Minuten zwei Spieler regelrecht k.o.

Bild 1: Immer ein Vorbild - auch beim Training: Christian Breuer war jahrelang ein Verfechter des eifrigen Trainings (Foto: Schirner)

Bild 2: Jupp Martinelli, Branko Zebec und Christian Breuer bildeten 1964 eine Läuferreihe, die als die beste Deutschlands gepriesen wurde.


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