Ende Oktober.
Wir stehen oberhalb der Franz-Josefs-Höhe und schauen hinunter
auf das Hofmanns Kees.
Direkt vor uns erhebt sich der Großglockner, das Schneefeld unter
der Gipfelpyramide schimmert unter den Strahlen der untergehenden Sonne.
Der Meletzkigrat läuft in einigen Biegungen vom Schuttfeld am Fuß des
Berges bis zur Adlersruhe. Eine wunderschöne Aufstiegsroute, und sicherer
als das Hofmanns Kees.
Wir tappen im Tunnel
vor dem Parkplatz, kommen zum Auto und bereiten das Abendessen vor.
Über uns flimmern die Sterne, im Süden zeichnet sich gegen den hellen
Himmel das Glocknermassiv ab.
Wenn das Wetter aushält, erwartet uns morgen
ein mühsamer Aufstieg. Wir gehen schlafen.
Ton des Weckers
unterbricht den Schlaf. Halb schlafend ziehen wir uns an, frühstücken
und packen den Rucksack. Nach einer halben Stunde beginnen wir
den Abstieg zum Gletscher, umgehen seinen unteren Teil
und queren das Schuttfeld. Es tagt.
Wir steigen links vom Hofmanns Weg. In einer verschneiten Rinne
fällt mir ein Handschuh aus der Tasche und verschwindet im Felslabyrinth.
Ein unangenehmer Vorfall.
Endlich
erreichen wir den Grat, der uns nun bis knapp unter den Gipfel führen wird.
Nach dem Überwinden der steilen verschneiten Felsen kommen wir am
Frühstücksplatz an. Ich übergebe Michael den Rucksack und steige in einen
schönen Kamin ein. Sorgfältig entferne ich Schnee von allen Griffen und
Tritten und lange unter einem senkrechten Aufschwung an. Wir kommen
zu einem ausgesetzten Ort und seilen uns an. Alle schwierige Stellen
(wir haben uns nur hier gesichert) sind mit Bohrhaken versehen.
Mittag.
Die Sonne tritt ihre Reise nach Westen an. Einige Male erblicken wir
den Gipfel, er versteckt sich jedoch schnell wieder. Wir essen, überwinden
steigende Müdigkeit und fahren über verschneite Felsen fort. Beide Seiten
des Grates bieten herrliche Ausblicke -- links das spaltenreiche Hofmanns
Kees, rechts der Glocknerkeller.
Endlich überschreiten wir die letzten Felsen und stehen unter der 300 Meter
hohen Gipfelpyramide, am unteren Rand des Glocknerleitls.
Starker Wind
greift den Gipfelgrat an. Wir überschreiten den Kleinglockner und steigen
in die Glocknerscharte ab. Hier müssen wir lange warten, ehe drei langsam
kletternde Ungarn die Scharte überwinden. Es dunkelt. Wir kehren um,
steigen über die verschneiten Platten ab und laufen zur
Erzherzog-Johann-Hütte hinab. Drinnen gibt es noch Platz. Michael rollt
das Seil auf, ich bemühe mich meine kreideweiße Hand zu beleben.
Endlich kommt der Schlaf und bringt verlorene Kraft zurück.
Morgen
schaue ich aus dem Fenster. Dichter Nebel, es schneit. Es gibt keine andere
Wahl, wir seilen uns an und steigen über den Gletscher den
Grat entlang zur Hohenwart Scharte ab. Wir waten durch tiefen Pulverschnee
und schauen oft über die Kante des Grates, um die Fixseile zu finden.
Endlich. Wir steigen über steile mit Drahtseile gesicherte Wand ab.
Der Nebel löst sich auf. Schnell erreichen wir die Salmhütte.
Wir verlassen
die sonnige Südseite des Grates und beginnen den Abstieg über
schattigen verschneiten Steilhang zum Stausee unter dem Pasterzen Kees. Nach
einigermaligem Ausrutschen stehen wir in Ordnung im Tal und gehen
über den Staudamm. Es erwartet uns der letzte Hang -- vom Staudamm zur
Franz-Josefs-Höhe. In einer Stunde stehen wir am Auto.