Großglockner von der Franz-Josefs-Höhe aus gesehen

Großglockner über Meletzkigrat

Ausgangspunkt: Franz-Josefs-Höhe, von Bruck oder Heiligenblut zu erreichen (Maut 350 S)
Schwierigkeit: II (mitunter brüchig)
Höhenunterschied: 1400 m (1000 m vom Frühstücksplatz)
Ausrüstung: Eispickel, Steigeisen, Schlingen
Übernachtungsmöglichkeiten: Franz-Josefs-Höhe, Erzherzog-Johann-Hütte (Wintergebühr 120 S), Salmhütte
Abstiegsmöglichkeiten: über Hofmanns Kees oder Hohenwart Scharte
Anmerkung: vom Grat kann man sich an einigen Stellen auf das Hofmanns Kees abseilen

Ende Oktober.
Wir stehen oberhalb der Franz-Josefs-Höhe und schauen hinunter auf das Hofmanns Kees. Direkt vor uns erhebt sich der Großglockner, das Schneefeld unter der Gipfelpyramide schimmert unter den Strahlen der untergehenden Sonne. Der Meletzkigrat läuft in einigen Biegungen vom Schuttfeld am Fuß des Berges bis zur Adlersruhe. Eine wunderschöne Aufstiegsroute, und sicherer als das Hofmanns Kees.

Wir tappen im Tunnel
vor dem Parkplatz, kommen zum Auto und bereiten das Abendessen vor. Über uns flimmern die Sterne, im Süden zeichnet sich gegen den hellen Himmel das Glocknermassiv ab. Wenn das Wetter aushält, erwartet uns morgen ein mühsamer Aufstieg. Wir gehen schlafen.

Ton des Weckers
unterbricht den Schlaf. Halb schlafend ziehen wir uns an, frühstücken und packen den Rucksack. Nach einer halben Stunde beginnen wir den Abstieg zum Gletscher, umgehen seinen unteren Teil und queren das Schuttfeld. Es tagt.
Wir steigen links vom Hofmanns Weg. In einer verschneiten Rinne fällt mir ein Handschuh aus der Tasche und verschwindet im Felslabyrinth. Ein unangenehmer Vorfall.

Endlich
erreichen wir den Grat, der uns nun bis knapp unter den Gipfel führen wird. Nach dem Überwinden der steilen verschneiten Felsen kommen wir am Frühstücksplatz an. Ich übergebe Michael den Rucksack und steige in einen schönen Kamin ein. Sorgfältig entferne ich Schnee von allen Griffen und Tritten und lange unter einem senkrechten Aufschwung an. Wir kommen zu einem ausgesetzten Ort und seilen uns an. Alle schwierige Stellen (wir haben uns nur hier gesichert) sind mit Bohrhaken versehen.

Mittag.
Die Sonne tritt ihre Reise nach Westen an. Einige Male erblicken wir den Gipfel, er versteckt sich jedoch schnell wieder. Wir essen, überwinden steigende Müdigkeit und fahren über verschneite Felsen fort. Beide Seiten des Grates bieten herrliche Ausblicke -- links das spaltenreiche Hofmanns Kees, rechts der Glocknerkeller.
Endlich überschreiten wir die letzten Felsen und stehen unter der 300 Meter hohen Gipfelpyramide, am unteren Rand des Glocknerleitls.

Starker Wind
greift den Gipfelgrat an. Wir überschreiten den Kleinglockner und steigen in die Glocknerscharte ab. Hier müssen wir lange warten, ehe drei langsam kletternde Ungarn die Scharte überwinden. Es dunkelt. Wir kehren um, steigen über die verschneiten Platten ab und laufen zur Erzherzog-Johann-Hütte hinab. Drinnen gibt es noch Platz. Michael rollt das Seil auf, ich bemühe mich meine kreideweiße Hand zu beleben.
Endlich kommt der Schlaf und bringt verlorene Kraft zurück.

Morgen
schaue ich aus dem Fenster. Dichter Nebel, es schneit. Es gibt keine andere Wahl, wir seilen uns an und steigen über den Gletscher den Grat entlang zur Hohenwart Scharte ab. Wir waten durch tiefen Pulverschnee und schauen oft über die Kante des Grates, um die Fixseile zu finden.
Endlich. Wir steigen über steile mit Drahtseile gesicherte Wand ab. Der Nebel löst sich auf. Schnell erreichen wir die Salmhütte.

Wir verlassen
die sonnige Südseite des Grates und beginnen den Abstieg über schattigen verschneiten Steilhang zum Stausee unter dem Pasterzen Kees. Nach einigermaligem Ausrutschen stehen wir in Ordnung im Tal und gehen über den Staudamm. Es erwartet uns der letzte Hang -- vom Staudamm zur Franz-Josefs-Höhe. In einer Stunde stehen wir am Auto.

Johannisberg

Glockner von der Franz-Josefs-Hoehe aus gesehen

Der untere Teil des Pasterzen Kees

Der Grat

Gipfelpyramide


Verfaßt am 6. November 1998 von Petr Homola
Fotos: Petr Homola und Michael Cifka