Die erste Lernphase - Entwicklung der Grobkoordination
- Bewegungsmerkmale -
   (nach Meinel/Schnabel)

In der  ersten Lernphase muss sich der Lernende zunächst mit dem Bewegungsablauf bekannt machen.Unter günstigen Bedingungen gelingt in dieser Lernphase auch schon die Ausführung der zu erlernenden Bewegung.
Das Bewegungskönnen ist in  der ersten Lernphase aber noch unvollkommen :
Die Bewegungsaufgabe wird gelöst, aber in allen Elementen der Bewegung sind noch Mängel erkennbar.

"Der Lernprozess beginnt mit dem Erfassen der Lernaufgabe durch den Lernenden. Damit ist notwendigerweise ein erstes gedankliches Erfassen des neu zu erlernenden Bewegungsvollzuges verbunden. Soll es zu einem effektiven Lernprozeß kommen, dann muß der Lernende das Ziel, das er durch seine Lerntätigkeit erreichen will oder erreichen soll, möglichst genau vorwegnehmen können. Das hat auch entscheidende Bedeutung für die Motivation. Im allgemeinen wird die Lernaufgabe vom Lehrer, Trainer oder Übungsleiter übermittelt, indem die zu erlernende Bewegung genannt, erklärt oder demonstriert wird. Der Lernende kann sich diese Aufgabe aber auch unmittelbar selbst stellen, wenn er zum Beispiel ein turnerisches Element bei einem anderen gesehen hat und es auch in seiner Übung anwenden will. Die Fähigkeit zum klaren und schnellen Erfassen der Aufgabe ist abhängig vom motorischen Ausgangsniveau des Lernenden. Einfluss haben jedoch auch die allgemeine Einstellung zum Lernen oder zum Sport und insbesondere die Art der Einwirkung des Lehrenden.

In diesem Stadium entsteht beim Lernenden eine erste Vorstellung vom Bewegungsablauf.
Diese Vorstellung ist im allgemeinen noch sehr grob, unvollständig und häufig auch noch fehlerhaft. Dem Erfassen der Lernaufgabe und damit der motorischen Aufgabenstellung schließen sich die ersten Versuche, die Bewegung auszuführen, zumeist unmittelbar an. Die Teilbewegungen sind noch nicht richtig aufeinander abgestimmt, die Steuerung der Gliedmaßen verläuft nicht in der beabsichtigten Form. Die Gesamthandlung zerfällt häufig in Einzelaktionen, deren fehlendes Zusammenspiel die Erfüllung der geforderten Bewegungsaufgabe noch nicht zuläßt..."

Die Grobkoordination ist durch folgendes Erscheinungsbild der Bewegung bzw. der Bewegungserkmale gekennzeichnet:
 

Bewegungsstärke
Typisch ist ein übermäßiger und teilweise falscher Krafteinsatz, das heißt, die Bewegungsstärke ist noch fehlerhaft...

Bewegungsrhythmus
Der gesamte Bewegungsablauf wirkt häufig verkrampft, was auf einen übermäßigen Anstrengungsgrad der gesamten Muskulatur zurückzuführen ist. Andererseits erfolgt der Krafteinsatz mitunter nicht mit der erforderlichen Stärke oder nicht zum richtigen Zeitpunkt. Die Ausführung wirkt oft verspannt und verkrampft.
Es fehlt das zweckmäßige Wechselspiel zwischen Anspannung und relativer Entspannung der Muskulatur, der zweckmäßige Bewegungsrhythmus. Ein anschauliches Beispiel dafür sind elektromyografische Aufzeichnungen beim Erlernen der Kippe am Reck...

Bewegungskopplung
Die Grobkoordination ist weiterhin gekennzeichnet durch eine ungenügend oder falsch ausgeprägte Bewegungskopplung, Teilbewegungen sind in ihrer zeitlichen Wirkung oft fehlerhaft.

Bewegungsfluss
Der Bewegungsfluss ist noch mangelhaft ausgebildet, v.a. die Verbindung einzelner Bewegungsphasen (Vorbereitungs- /Hauptphase). Die Übergänge zwischen den Phasen sind oft nicht fließend ("Stockungen").

Bewegungsumfang
Oft noch unzweckmäßige Ausholbewegungen (zu geringer Bewegungsumfang), teilweise aber auch zu großräumige Bewegungen.

Bewegungstempo
In diesem Lernstadium  ist das rechte Maß für das Bewegungstempo im allgemeinen noch nicht gefunden. Die Bewegungsführung ist oft zu hastig, stellenweise aber auch zu langsam.
 

Bewegungspräzision, Bewegungskonstanz
Die Grobkoordination durch eine gering ausgeprägte Bewegungspräzision und Bewegungskonstanz im Bewegungsvollzug gekennzeichnet.
Z.B. wird der Ball beim Badminton nicht optimal getroffen (Rahmen) oder ganz verfehlt. Einzelne gute Versuche wechseln sich mit missglückten Versuchen ab.
 

Alle Bewegungmerkmale sind im Stadium der Grobkoordination sehr wechselhaft ausgeprägt.
Modell der Bewegungskoordination für die erste Lernphase