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Die sechziger
Jahre
Von Donald Schieffers
Quelle: 75 Jahre Alemannia Aachen |
1960 - 1963
Die neue Saison begann mit den üblichen
"großen" Hoffnungen. Zerstört schon nach wenigen Spielen: Wieder war es
"Spitz" Kohn. mit seinen Treffern verdarb er den Alemannen den Heimsieg gegen
Mönchengladbach. Der dritte Hattrick des Borussen gegen die Aachener. Da konnte man schon
verzweifeln. Gegen Kohn hatte Alemannia-Trainer Helmut Kronsbein kein Mittel.
Dann kam der große Tag für den Präsidenten Dr. Heusch.
Das lange in Angriff genommene Ziel, 3000 Mitglieder stark zu werden, wurde erreicht. Dr.
Heusch dankte den Aktiven: "Es ist schon eine große Leistung, in so kurzer Zeit den
Mitgliedsbestand auf 3000 zu erhöhen." Fast 1000 Mitglieder hatten sich innerhalb
eines Jahres zum Beitritt zur Alemannia entschlossen. Exakt 3036 zeigte die Fieberkurve am
1.11.1960.
Die Rückrunde brachte für Alemannia-Fans einen
erfreulichen Moment. Trainer "Fiffi" Kronsbein hatte einen neuen Mittelstürmer
ausgegraben, der bei den ersten Spielen zuschlug: Willi Bergstein. Vier Tore in Bochum,
ein Tor in Aalst, drei Tore gegen Vik. Köln am 26.12.1960, zwei Tore gegen den Erzrivalen
Gladbach - als aber die Zuschauer dachten, der neue Mittelstürmer wäre geboren, da kam
auch schon das Ende dieser so glanzvollen Serie von Bergstein. Er verletzte sich und
mußte in den kommenden Spielen, in denen es mal wieder bergab ging, zuschauen. Jetzt
folgte dem 0:3 gegen den 1.FC Köln am 19.2.1961 Heimniederlage auf Heimniederlage. Die
Mannschaft fand nicht mehr den Anschluß an die guten Leistungen der Vorrunde. als man
wenigstens auf eigenem Platz ungeschlagen blieb. "Das kann doch nicht wahr
sein", stöhnte Fußball-Obmann Schorsch Bender, nachdem sogar das Heimspiel gegen
Preußen Münster verloren ging. Es war die Wahrheit, und nur wenige Tage später sollte
es noch schlimmer kommen: Alemannia verlor auch das Heimspiel, diesmal gegen Marl-Hüls.
Damit hatte niemand gerechnet.
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Daß die Elf das Fußballspiel nicht verlernt hatte das
konnten 5000 Zuschauer unter Flutlicht im März 1961 erleben. Der schwedische Meister
Göteborg ging mit 3:1 unter. Die Aachener schienen sich zu einer Flutlichtmannschaft
entwickelt zu haben Unter Flutlicht ging kaum ein Spiel verloren. Doch was nützten alle
gewonnenen Freundschaftsspiele (unter andrem wurden zwei Rekordsiege mit neun Toren beim
neuerlichen Pfingstturnier erzielt), in der Meisterschaft klappte es nicht so recht. Erst
gegen Dortmund hatte die Mannschaft sich von den schlechten Spielen erholt. Der damalige
Spitzenreiter ließ beim 0:2 beide Punkte auf dem Tivoli. Trainer Kronsbein konnte wieder
aufatmen, obwohl die Elf wenige Tage zuvor beim Bonner FV aus dem Pokal geflogen war. In
der abschließenden Bilanz erreichte man noch den achten Platz. Das Torverhältnis
war wieder einmal ausgeglichen.
Neue Spieler wurde verpflichtet, die allesamt
einschlugen. Helmut Kronsbein hatte das richtige Fingerspitzengefühl. Neben dem
Jugoslawen Branco Zebec von Roter Stern Belgrad verpflichtete er mit Torwart Beara und
Hans Löring zwei weitere Volltreffer. Sie gehörten fortan zur Stammelf und konnten sich
gegen die drängenden Jugendlichen noch durchsetzen. Vor allem Beara verhinderte ein ums
andere Mal die drohende Niederlage. Trotz großer Hoffnung: Der Start in die
Saison 1961/62 war wieder mal mäßig. Das Zusammenspiel
klappte nicht. Sogenannte hundertprozentige Spiele wurden verloren. Erst Ende September
hatte sich die Mannschaft gefangen. Von besonderem Glanz war das Spiel am 24.9.61 - ein
Spiel, das die Torsteher ganz alleine machten. Glanzvolle Szenen hatten beide, der
Aachener Beara und der für Westfalia Herne spielende Hans Tilkowski als Schlagzeile in
den Zeitungen. Wieder hatte die Alemannia dafür gesorgt, daß ein neues Talent im
Notizbuch von Trainer Sepp Herberger Aufnahme fand. Die beiden Torleute waren wirklich in
glänzender Form. Keiner ließ einen Treffer zu, zum Leidwesen der Alemannia denn sie
verlor einen wertvollen Punkt. Der Rückhalt schien sich in der Folge aber auszuzahlen,
denn von diesem Spiel an schien die Mannschaft erholt. Selbst der Favorit der Runde,
Schalke 04, hatte zu zittern. Erst in letzter Minute gelang Berni Klodt der Ausgleich.
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Willi Bergstein zeichnete in der Sturmmitte für zwei
Tore verantwortlich. Bergstein, mehrere Monate verletzt, entwickelte sich wieder zum
Torjäger Nummer eins. Vier Tore gegen den Duisburger SV - das war sein Einstand im
Oktober ! Zum Jahresende konnte Präsident Dr. Heusch zwar nicht mit Lobesworten für die
die Vertragsspielerabteilung aufwarten, doch ein weiteres von ihm angestrebtes Ziel hatte
sich verwirklicht: Mit 3200 Mitgliedern war die Alemannia jetzt der größte Verein
Westdeutschlands. Schrieb der "Mittag" hierzu: "Die Aachener Alemannen
gingen den einzigen richtigen Weg: Sie handelten." Umso mehr Lob kam einer anderen
Abteilung zuteil, die immer ein wenig im Schatten der übermächtigen Vertragsspielerelf
stand. Die Volleyballer bewiesen, daß auch der übrige Sport bei der Alemannia nicht
vernachlässigt wurde. Die erste Mannschaft wurde Deutscher Volleyball-Meister, eine
Auszeichnung, die für die Zukunft immerhin einiges versprach. Europapokalspiele also
nicht zuerst von den Fußballern, von denen man sie eigentlich erwartet hatte. Das Jahr
1961 fand also doch einen "guten" Abschluß.
Für die Rückrunde der Fußballer wurde wieder gehofft.
Doch wieder blieb das Pech - oder war es Glück? - der Alemannia treu. Stammtorwart
Vladimir Berara verletzte sich unglücklich, so daß Trainer Kronsbein auf den jungen
Ersatztorwart Schors zurückgreifen mußte. Wieder zeigte sich das Fingerspitzengefühl
des erfahrenen "Fiffi". Schors bot gute Leistungen. Im ersten Spiel schon konnte
er in Meidrich gute Noten verdienen, dann war es nur ein Elfmeter, der ihn bezwang.
Kronsbein: "Ich bin zufrieden. Schors entwickelt sich als Stütze der
Mannschaft." Selbst ein 3:5 in Köln konnte Schors nicht aus dem Rhythmus bringen.
Die Saison hielt wieder nicht, was sie versprach. Alemannia trennte sich vom Trainer
Helmut Kronsbein, und neuer Übungleiter der Vertragsspielerelf wurde Oswald Pfau kam vom
1.FC Köln und brachte eine Verstärkung gleich mit, von der er wußte, daß sie
einschlagen würde: Christian Breuer. Die erste Schlagzeile machte Breuer allerdings nicht
auf dem Fußballfeld. Noch vor Beginn der Saison heiratete er und wurde als frisch
vermählter Ehemann entsprechend von den Mannschaftskameraden aufgezogen. Pfau, der die
Kölner Sport-Szene besser als jeder andere kannte, hatte sich noch einen anderen Fisch an
Land gezogen: Bernd Schwier, der bei Viktoria Köln für die Tore sorgte. Etwas
enttäuscht war er über den Weggang von Hans Löring. "Den hätten wir noch gut ein
Jahr gebrauchen können", meinte der Sportlehrer 1962, als er von Interims-Trainer
Bert Schütt, dem ehemaligen Spieler, das Training und die Verantwortung übernahm.
Seinen Einstand gab Oswald Pfau wie schon die anderen
Alemannia Trainer mit einem Freundschaftsspiel. Salt-Lake-City, der Paten-Verein in
Aachen. Seit 1953 stand man Pate und verfügte daher über beste Verbindungen in die USA.
Die ersten Punkte der Saison 1962/63 zeigten dann, daß Trainer Pfau vor allem mit Schwier
einen Volltreffer gelandet hatte. Schon nach wenigen Minuten im Alemannen Trikot
besorgte Schwier das erste Tor. Doch es war weniger der Ex-Kölner, noch weniger das
relativ schlechte Abschneiden in den Punktspielen unter Pfau, was damals Gesprächsthema
Nummer eins in Aachen war.

Nein, die Bundesliga wurde wieder mal spruchreif, und
Alemannia, so sah es aus, sollte abseits bleiben. Der Vostand unter Präsident Dr. Heusch
wehrte sich. Gleich zwölf Punkte fanden die Aachener, die sie in die Bundesliga
katapultieren sollten. Da waren unter anderem die Erfüllung der wirtschaftlichen
Voraussetzungen; der größte Rasensportverein in NRW; ständige Zugehörigkeit zur
Oberliga West (seit 15Jahren); Ausbau des Stadions auf 42000 Plätze; und, und, und,....
"Wir erstreben die Bundesliga mit allen Mitteln", versicherte der
Alemannia-Präsident jedem, der ein Ohr für die Problematik "Bundesliga" hatte.
Die Probleme waren zweifellos groß, denn von insgesamt vierzig Vereinen sollten 18
auserwählt werden. Alemannia wollte dazu gehören. Die Parole hieß: "Alemannia
Aachen muß in die Bundesliga !" Veraussetzung für die Verwirklichung des Ziels
blieb das Abschneiden in der Oberliga Torwart Beara überstand seine Verletzung (einen
Beinbruch) und verdrängte den talentierten Schors wieder auf die Reservebank. Die
Erfahrung Bearas war in den Augen von Trainer Pfau ausschlaggebend für diese Maßnahme.
Gegen Mönchengladbach gelang am 14.10.1962 der erste doppelte Punktgewinn. Doch Pfau
hatte auf den falschen Mann gesetzt. Berara verletzte sich erneut und mußte wieder
operiert werden. Nicht nur Aachens Sportzuschauer bedauerten die erneute Verletzung.
Grüße kamen auch von prominenter Seite: Bundestrainer Sepp Herberger wünschte
persönlich "gute Besserung". Schors übernahm wieder die Torwartstutzen und
machte wie beim ersten Mal seine Sache ausgezeichnet.

Es war schon interessant, was der Vorsitzende des 1.FC
Kölns, Franz Kremer, nach dem Punktspiel der Kölner gegen Alemannia (2:2) andeutete:
"Sie waren mit der Mannschaft im Trainingslager, und das ist nach dem
Lizenzspielerstatus nicht erlaubt." Kremer ärgerte sich nicht nur über den Punkt
Verlust seines 1. FC Kölns, sondern unbewußt sprach er eine der wichtigsten Neuerungen
des Fußballs an. Viele Mannschaften hatten sich angewöhnt. Vor dem Spiel gemeinsam in
ein Trainingslager zu fahren. Die Alemannia gehörte dazu. Zwar nicht zu jedem Spiel
fuhren die Schützlinge von Oswald Pfau in die "Enthaltung", doch zumindest vor
wichtigen entscheidenden Spielen wurde dies Maßnahme bevorzugt. Franz Kremers Ausspruch
folgte der Kontor von Dr. Heusch auf dem Fuß: "Sie waren schon 1960 mit Ihrer Elf im
Trainingslager." Doch die Alemannia ließ es nicht auf einem Streit ankommen.
Einstimmig ließen die Teilnehmer an der Trainingslagerrunde verlauten: "Es war kein
Trainingslager in Nideggen, sonder nur eine Zusammenkunft, bei der kein Ball angerührt
wurde." Die Aachener umgingen die Streitigkeiten, die von dritter Seite angezettelt
worden waren, geschickt.
Das Rückspiel gegen den 1.FC Köln gab eine
Bestätigung, daß der alte Zwist vergessen war. Für die Alemannia war dies leicht, denn
sie gewann am 31. März 1963 mit 1:0.
Bild 1: Trainer Fiffi Kronsbein und
seine "Sängerknaben". Einmal wöchentlich wurde geübt, bis es für Auftritte
wie hier bei einer Weihnachtsfeier reichte. Jupp Martinelli mußte auf dem Akkordeon
begleiten.
Bild 2: Große Sprünge beim Training:
Trainer Oswald Pfau (rechts) und Jupp Martinelli (links) lassen Zebec, Nievelstein und
Lipka über das Seil springen.
Bild 3: Pechvogel Wlado Beara konnte
wieder lachen, als ihm nach seinem Beinbruch Kölns Trainer Tschik Cajkovski und Hans
Schäfer am Krankenbett ihre Aufwartung machten.
Bild 4: Ehrung für das 600. Spiel im
Alemannia-Trikot. Präsident Leo Führen überreicht Jupp Martinelli einen Blumenstrauß.
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