Fechten
Heutzutage wird bei Fechtveranstaltungen mit Degen, Florett oder Säbel gefochten.
Da das Degenfechten am weitesten verbreitet ist, werden hier jedoch ausschliesslich, bis auf wenige Ausnahmen, Informationen über den Degenfechtsport zu finden sein.

Das moderne Sportfechten
Nüchtern ausgedrückt ist das Fechten eine Anhäufung von Bein- und Armbewegungen die den Zweck haben, den Gegner unter Beachtung der Regeln auf der gültigen Trefffläche zu treffen. Dies ist das Grundproblem, die zu lösende Aufgabe, die sich jedem Fechter in jedem Kampf von neuem stellt. Unter Einschränkung gilt auch hierbei heute noch der Grundsatz: Treffen ohne getroffen zu werden! Ziel ist der symbolische Sieg über den Partner. Je nach Waffenart ist hierbei eine bestimmte Form, sprich Konvention, vorgeschrieben. Innerhalb der von den Fechtern einzuhaltenden Regeln bleibt es dem einzelnen überlassen, auf welche Weise er das vorgegebene Problem löst, den anderen zu treffen und zu verhindern, selbst getroffen zu werden.
Je nach Temperament wird der Fechter eigene Verhaltensweisen (Taktiken) entwickeln, um diese ihm gestellte Aufgabe anzugehen. Der eine wird eher passiv sein und die Verteidigung vorziehen, der andere ist angriffslustig, wieder ein anderer wird verhalten fechten, um die gegnerische Reaktion zu studieren und dann ein hiernach entwickeltes Konzept in die Tat umzusetzen; der eine ist variabel im Denken und Handeln, der andere vertraut mehr auf seine gewohnten Aktionen und wagt nichts Neues.

Degenfechten
Der Degen ist wie das Florett eine reine Stosswaffe. Das Degengefecht geht auf 5 Treffer. Die maximale Kampfzeit beträgt 6 Minuten. Die letzte Minute wird angesagt. Steht es nach Zeitablauf unentschieden, so haben beide Fechter eine Niederlage. Bei der Direktausscheidung wird bei den Männern und bei den Damen auf 15 Treffer gefochten, bei einer Kampfzeit von 3x3 Minuten. Auch hier wird die letzte Minute angesagt. Vor dem Gefecht wird eine Münze geworfen, um bei einem allfälligen Unentschieden, den Sieger einwandfrei ermitteln zu können.
Beim Degenfechten gibt es Doppeltreffer; das heisst, fallen die Treffer der beiden Fechter innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, die kleiner als 1/20 Sekunde ist, so werden beide Treffer gewertet. Das Feststellen der Zeitdifferenz wird durch die elektrische Trefferanzeige ermöglicht. Ein Gefecht kann beim Stand von 4 : 3 durch einen Doppeltreffer beendet werden. Andererseits kann beim Stand von 4 : 4 das Gefecht zum Beispiel bis 8 : 8 weitergeführt werden.
Es wird hier solange weitergefochten, bis ein Einzeltreffer fällt und somit der Sieger feststeht. Ist die reguläre Kampfzeit abgelaufen, wird bei unentschiedenem Stand (sei es 1 : 1 oder 8 : 8) das Gefecht für beide als Niederlage gewertet, sofern es sich nicht um einen Kampf der Direktausscheidung handelt. Sonstige Konventionen wie beim Florettfechten gibt es beim Degenfechten nicht. Man bezeichnet deshalb den Degen als Kampfwaffe. Ausser der Regel, dass innerhalb einer bestimmten Zeitspanne Doppeltreffer möglich sind, gilt grundsätzlich: treffen ohne getroffen zu werden, ein Grundsatz, der dem früheren ernsten Fechten entspricht.
Die Trefffläche
Beim Degenfechten ist der ganze Körper gültige Trefffläche. Der Fechter muss sich also bei einem Angriff des Gegners von Kopf bis Fuss verteidigen.

Die Waffe

Die Fechtbahn
Die Fechtbahnlänge im Degen beträgt 18 Meter, so dass jeder Fechter bei Startstellung in 2 Metern Entfernung von der Mittellinie insgesamt 7 Meter zurückgehen kann, bevor er mit beiden Füssen das Fechtbahnende überschreitet.
Ist aus praktischen Gründen eine Fechtbahnlänge von 14 Metern vorgesehen, so darf jeder Fechter, beim Start 2 Meter von der Mittellinie entfernt, so oft die hintere Fechtbahngrenze mit beiden Füssen überschreiten, bis er insgesamt 7 Meter nach rückwärts durchshritten hat.
Benötigt ein Fechter mehr als die ihm nach rückwärts zur Verfügung stehende Fechtbahnlänge, so wird er für getroffen erklärt.

Die Gefechtslinie
Die gedachte Verbindung der Fersen der gegeneinander Fechtenden ergibt die Gefechtslinie. Die Gefechtslinie muss sich immer auf der Fechtbahn befinden.

Die Fechtstellung
Die Beinbewegungen werden in der Fechtstellung entlang der gedachten Gefechtslinie ausgeführt (Füsse stehen hierbei im rechten Winkel zueinander). Die Fechtstellung ist die vorteilhafteste Stellung des Körpers, die den Fechter befähigt, sich seinem Gegner am raschesten zu nähern oder sich von ihm zu entfernen ud die gleichzeitig die kleinste Trefffläche bietet. Der Oberkörper ist aufrecht. Der fechtfreie Arm wird locker nach hinten gebracht und leicht angehoben. Heute kommt man von der zwar ästhetischeren, aber extrem hohen Armhaltung des freien Armes ab, weil sie allzu leicht zu einer Verkrampfung der gesamten Schultermuskulatur führen kann. Die Knie- und Fussgelenke sind gebeugt. Der Fechter geht so tief in die Hockstellung, dass eine für Beinbewegungen individuelle, optimale Vorspannung der Beinmuskeln erzeugt wird.
Ausrüstung
Die Waffe entspricht dem herkömmlichen Degen. Innerhalb der Glocke befindet sich der Halter mit Glockenstecker.

(Säbel)
Anschluss an der Waffe mit normalem Degenglockenstecker (3-polig), am Kabelrollen-Anschluss ebenfalls mit einem Dreipolstecker. Verbindung zur leitenden Trefffläche über isolierten Litzendraht mit Klemme.
Die waffenführende Hand ist mit einem Handschuh, der eine leitende Stulpe besitzt, bedeckt. Für die freie Hand ist noch kein Handschuh vorgesehen.

Maske: Nicht isoliertes Gitter; die übrigen Teile mit leitendem Material überzogen.

Die Fechtjacke ist aus leitendem Material hergestellt.
Hose, Strümpfe und Schuhe weisen gegenüber der herkömmlichen Bekleidung keine Besonderheiten auf.
Die elektrische Trefferanzeige
Um ein Florett- oder Degengefecht austragen zu können, benötigt man ein Meldegerät, Kabelrollen, ein Körperkabel, eine Elektrowaffe und eine Kupferbahn.
Die Fechtspitze der Elektrowaffe besteht aus einem festen und einem beweglichen Teil. Kommt die Degenspitze auf der Trefffläche mit einer Kraft von 750 Pond auf, gleitet der bewegliche Spitzenteil im festen zurück und schliesst einen Stromkreis, in den eine Lampe geschaltet ist. Beim Florett muss auf die Spitze eine Kraft von 500 Pond ausgeübt werden, um den Wechselschalter zu betätigen, der den Ruhestrom unterbricht und zugleich den Signalstrom über die gegnerische Weste schliesst. Der Stromkreis wird gebildet aus feinen, in die Klingenrille geklebten, isolierten Drähten (beim Degen zwei, beim Florett einer und die Metallklinge selbst) und dem über Glockenstecker und durch den Ärmel der Fechtjacke geführten Körperkabel, das mit einem am Rücken des Fechters befestigten Kabel der Kabelrolle verbunden ist. Die Kabelrolle gibt immer die für den wechselnden Stand der Fechter auf der Fechtbahn benötigte Kabellänge frei. Von der Kabelrolle geht eine Stromleitung zum Meldegerät, das bei einem Treffer sowohl ein optisches als auch akustisches Signal gibt. Ein weiterer Draht im Körperkabel, in der Kabelrolle und dem zum Meldegerät führenden Kabel erdet die Glocke ('Glocke' nennt man den gewölbten metallenen Handschutz zwischen Fechtwaffengriff und Fechtklinge), der Stromkreis kann also nicht geschlossen werden. Die Metallfechtbahn wird vom Meldegerät aus geerdet.
Beim Degenfechten leuchten nur grüne und / oder rote Lampen auf. Es werden keine weiteren Lampen benötigt, da es beim Degenfechten keine ungültige Trefffläche gibt.
Wann und wo kann man das Fechten erlernen?
Günstigster Zeitpunkt für das Erlernen des Fechtens ist das sechste Lebensjahr. Dieser frühe Beginn wird ermöglicht durch die Verwendung von Kinderfechtwaffen. Altersgrenzen nach oben gibt es für den Hobbyfechter grundsätzlich keine. Es ist durchaus denkbar, das Fechten auch noch im reiferen Alter zu erlernen, sofern die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sind.
Erlernen kann man das Fechten in den örtlichen Vereinen oder in den Schulen von Fechtmeistern, die ohne Vereinszugehörigkeit jedem zugänglich sind (Privatschulen).
