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Die
Gründunsgeschichte der Alemannia
Von Donald Schieffers
Quelle:75 Jahre Alemannia Aachen |
Die Torstangen wurden in den Kiesboden gerammt, sie
waren rund und zusammengehalten durch einen Strick. Kleine Fähnchen zeichneten das
Spielfeld und den Elfmeterraum. Zuschauer mußten - wenn es überhaupt gelang - auf
Schleichwegen an den Spielfeldrand geschmuggelt werden. Was so heimlich vonstatten ging
und in der Fortsetzung einem Kriminalroman ähnlicher als der Geschichte des Vereins
Alemannia Aachen ist, waren Gründung, erstes Spiel und Aufbau eines Vereins, der heute -
100 Jahre danach - auf eine große Tradition zurückblicken kann.
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Es kostete damals die Überredekunst einiger
"fussballverückter" Schüler, die belgischen Posten auf dem Kasernenhof der
Marienthaler Militärs davon zu überzeugen, daß der Hof nicht nur der Exerzierpflicht
der Soldaten genügt. Am 16. Dezember 1900 war es soweit. Elf Schüler, die sich den Namen
Alemannia gaben, trafen in einem ersten Fußballspiel in Aachen auf die belgische
Mannschaft des F.C. Dolhain. Unter den kritischen Augen der übrigen sieben
Vereinsmitglieder wurde ein erster Erfolg mit einem 6 : 0- Sieg gefeiert. Ein Erfolg, der
die Schüler in ihrer Meinung bestätigte. Wenige Tage zuvor hatte man "in aller
Heimlichkeit" den ersten Aachener Fußballclub gegründet. Entscheidend für den
Zusammenschluß der Schüler des Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums war der ablaufende
Spielbetrieb innerhalb der schulischen Grenzen, aber auch der Umstand, daß an den
Wettspielen der Schüler keine Außenstehenden teilnehmen durften.
"Wir hatten schon damals ernste Probleme,"
schrieb der erste Vorsitzende der Alemannia J. Emunds nach 25 Jahren das erste Kapitel
Vereinsgeschichte. Bei der Findung eines Namens war man auf Probleme gestoßen. Ein wenige
Tage vor der Alemannia gegründeter Verein nannte sich "Aachener Fußballclub",
so daß sich die Schüler um J. Emunds etwas " einfallen lassen" mußten. Es
wurde der Name "Alemannia" gewählt, ein Name, der wie Emunds später
feststellte" dem Deutschtum an der Grenze Ausdruck verleihen sollte".
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Den ersten Vorstand bildeten gleichsam aktive
Spieler: J. Emunds, O. Spennrath und W. Ulmke. Unter der Regie von Emunds als Spielführer
gelang der Mannschaft dieser erste, überzeugende 6:0 Sieg, vielleicht der wichtigste Sieg
in der Geschichte des Vereins. Hätte man damals, wenige Tage nach der Gründung, eine
erste Niederlage bezogen, wer weiß, wie es weitergegangen wäre. Die Namen der
Mannschaft, die den F.C. Dolhain bezwang, sind erhalten: v.Streit, Courte, O. Spennrath,
Emunds, van Regteren, H. Kaatzer, Schaffrath, J.Wollgarten, H. Wagner, K.Foerster,
Heckmanns.
In der Folgezeit stellten sich den Alemannen, die
sich durch den Beitritt holländischer Schüler verstärkt hatten, Gegner aus dem Kölner,
Dürener und Duisburger Raum. 11:0, 6:4 und 2:1 waren Ergebnisse des Spieleifers und der
Begeisterung,die ihren ersten Dämpfer erhielt, als zum ersten mal das Problem der
Platzfrage auf den jungen Verein zukam. nach den Spielen auf dem Kasernenhof mußte der
inzwischen auf 50 Mitglieder angewachsene Verein eine neue Bleibe suchen. "Es war ein
Problem, das unseren Verein bis in seiner neuesten Zeit in der Entwicklung hemmend
beeinflußte", resümierte der erste Alemannia-Vorsitzende Emunds 1950. Tatsächlich
gibt es wohl kaum eine Sportanlage in Aachen, die von den Alemannen noch nicht benutzt
wurde. 1901 fand man eine vorläufige Unterkunft im Innenraum der Radrennbahn des
Zoologischen Gartens, später Westpark genannt. Zum ersten fanden sich die Mitglieder zu
regelmäßigen Übungsstunden zusammen, der Begriff des "Trainings" war geboren.
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Finanziell war der Verein schon in seiner Frühzeit
nicht auf Rosen gebettet. Neben dem Mitgliedsbeitrag, zu Beginn 30 Pfennig - nach einem
knappen Jahr 50 Pfennig, wurde vom Taschengeld der Schüler der Spielball finanziert,
wurde das erste "Feststehende Tor" gekauft. Emunds: "die notwendigsten
Geräte wurden mit den Spargroschen angeschafft. "Doch - überflüssige Groschen
waren auch damals rar. Die Einnahmen - Ostern 1903 brachten einige hundert Zuschauer
immerhin schon 62 Mark auf - flossen nicht in die Vereinskasse, sondern mußten an den
Zoologischen Garten abgeführt werden. Eine Regelung, die noch heute in Form der
Stadionmiete üblich ist.
Bild 1: Aachen nach der
Jahrhundertwende. Das Rathaus hat seine neugotischen Türme. Zwischen Dom und Rathaus der
mächtige Bergfried des damals neu gebauten Verwaltungsgebäudes. Im Vordergrund die
Theaterstraße.
Bild 2: Rathaus und Markt im Jahr
1911. Die festliche Dekoration gilt Kaiser Wilhelm II., der am 18. Oktober die Stadt
besuchte, um das Kaiser-Friedrich-Standbild zu enthüllen.
Bild 3: Der Graben unmittelbar vor
der Jahrhundertwende. Rechts das von Leydel erbaute Kloster der Christenserinnen. Es wurde
um die Jahrhundertwende abgerissen und machte einem großen Geschäftshaus Platz.
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