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Michael Pfeiffer
Quelle: Deutschlands Fussball
Nationalspieler von Jürgen Bitter |
Der Tag, als Michel heimkehrte
Geboren am 19. Juli 1925
Ein Länderspiel (1954)
Mit achtzehn hat man noch Träume - doch Träume waren in diesem
Sommer des Jahres 1943 nicht zeitgemäß; der 2. Weltkrieg diktierte die Gedanken der
Menschen. Und mit 18 bekam Michael Pfeiffer den Gestellungsbefehl - als blutjunger Soldat
wurde der fröhliche Rheinländer an die Westfront, nach Calais, beordert. Als er 1948 in
seinen Heimatort Eschweiler zurückkehrte, hatte sich Europas Landkarte verändert. Doch
verändert hatten sich auch die Menschen, viele waren gezeichnet von den Schlägen des
Schicksals. Vier Jahre lang weilte Michael Pfeiffer in französischer Gefangenschaft in
einem Lager bei Limoges. Irgendwann wurde sein Status geändert - er wurde Freier Arbeiter
und nutzte die erstbeste Gelegenheit, um sich abzusetzen und sich bei den britischen
Militärbehörden in Bielefeld einen Ausweis abzuholen. An einem Mittwoch kehrte er zur
Freude seiner Eltern nach Eschweiler zurück, sonntags darauf spielte er für die SG
Eschweiler, die früher einmal Grün-Weiß hieß, gegen
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Baesweiler. Ein halbes Jahrhundert später kannte Michel Pfeiffer
das Ergebnis noch: "Wir haben 4:1 gewonnen, und die vier Tore habe ich mir mit meinem
Onkel geteilt." Onkel Josef Pfeiffer war ein früher Förderer von Michel, blieb aber
sein Leben lang in Eschweiler, weil ihn immer dann das Heimweh befiel, wenn er den
Kirchturm seiner Heimatgemeinde nicht mehr sah. Das sollte bei Michel Pfeiffer etwas
anders sein, denn im März 1949 packte der seine Tasche und wechselte zu Alemannia Aachen
- was viele seiner Freunde nicht verstehen wollten. Neun Jahre lang sollte er am Tivoli
bleiben und hier seine schönsten Fußballjahre erleben. Er war Halbstürmer und
Außenläufer und im übrigen ein sportliches Allroundtalent, das sich in der Schülerzeit
auch erfolgreich als Turner, Schwimmer und Leichtathlet versuchte. In Aachen absolvierte
Michel Pfeiffer zunächst ein Volontariat in einer Tuchfabrik, später übernahm er von
Alemannia Stopper Heini Gärtner ein Zigarrengeschäft am Kapuzinergraben. Pfeiffer war
der Star der Aachener Mannschaft und wäre wohl auch 1954 mit zur Weltmeisterschaft in die
Schweiz gefahren, wenn er nicht kurz zuvor wegen einer Leistenverletzung abgesagt hätte.
So bekam er nur eine Länderspielchance im gleichen Jahr gegen England im Londoner
Wembley-Stadion. Die Spieler aus dem Mutterland des Fußballs waren eine Weltmacht - und
der frischgebackene Weltmeister, der durch eine rätselhafte Gelbsuchtepidemie, die unter
den Nationalspielern grassierte, stark gehandikapt war, unterlag mit 3:1. Vor der WM in
Schweden hatte Michel Pfeiffer vier Jahre später erneut gute Chancen. Vor einem Testspiel
in Kassel sagte Herberger-Assistent Helmut Schön zu den Kandidaten: "Wer gut ist,
fährt mit..." In Wirklichkeit waren schon am Abend vorher alle Würfel gefallen.
1958 unterschrieb Pfeiffer statt dessen einen Vertrag bei Rot-Weiß Essen und blieb dort
drei Jahre, um seine Karriere schließlich bei Fortuna 54 Geleen in Holland zu beenden. Im
Land der Tulpen hatte er viele Freunde, und so fand er hier auch seine erste
Traineranstellung - bei Roda Kerkrade in der 2. Liga. Dettmar Cramer vermittelte ihn
anschließend zum SC Schwenningen, eher Pfeiffer 1967 Alemannia Aachen in die Bundesliga
führte. Zwei Jahre später waren die Fußballer aus der Kaiserstadt die Sensation der
Saison, denn sie belegten hinter Bayern München in der Endabrechnung Platz zwei. Als die
Alemannia im Jahr darauf aus den rosaroten Wolken stürzte und die Bundesliga als
Tabellenletzter verlassen
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mußte, trauerte mancher Trainer Pfeiffer nach. Der war - nicht
ganz im Frieden - von seiner alten Liebe geschieden und inzwischen beim FK Pirmasens vor
Anker gegangen. Austria Salzburg, SVA Gütersloh, noch einmal Alemannia Aachen und BSG
Schwenningen waren weitere Stationen, ehe Michel Pfeiffer eine Weile Abstand vom Fußball
gewinnen wollte und als Repräsentant einer Fensterbaufirma unterwegs war. Doch der
Fußball ließ ihn nicht los - der DFB vermittelte ihm einen Job beim tunesischen
Erstligisten CSS Faix, den er 1981 prompt zur Landesmeisterschaft führte und wo ihm seine
in der Kriegsgefangenschaft gewonnen Kenntnisse der französischen Sprache entgegenkamen.
Die Tunesier wollten zwar einen Langzeitvertrag mit dem Rheinländer, doch den zog es
zurück zu seiner Familie, die im holländischen Vaals beheimatet war.
Bild 1: Gefeiert und gefeuert: Michel Pfeiffer
als Trainer am Tivoli. Er lernte Erfolg und Mißerfolg in allen krassen Schattierungen
kennen. (Foto Arnolds)
Bild 2: Gute Miene zum bösen Spiel machte Michel
Pfeiffer, als ihm die Vereinsführung nach dem Bundesligaaufstieg Juan Carlos Borteiro
(links) und Horacio Troche andiente. Troche, der "Uru", gehörte wenigstens eine
Saison lang zur Stammelf.
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